Dienstag, 27. November 2007

Bergenske Railer på Fantoft

Auch wenn der Einbruch der Dunkelheit mittlerweile bereits um halb vier erfolgt, lassen sich es die Norweger nicht nehmen sportlich aktiv zu bleiben. Die Nachaktivität war mir bereits aus anderen Blickwinkeln bekannt, ich hätte aber nie gedacht, dass auf unserem coolen Campus eines Tages waghalsige Wikinger auftauchen um kühn über eiserne Stangen runter zu gleiten.


Genaugenommen waren sie nicht waghalsig:


Eher ein bisschen kopflos:




Auszug aus meinem Tagebuch vor dem bloggmässigen Winterschlaf
Die Mittagssonne reicht bereits nur noch knapp über den Bergspitzen. Der Sonnenstand wird zunehmend spitzwinklig. Der Laub raschelt beim Spazieren. Bergen steht kurz vor dem Winterschlaf. Meine Wenigkeit ist stets noch in Klassenfahrtstimmung. Besonders wenn ich abends nach Hause komme und "Backstreets back" von den Backstreet Boys über den Campus hallt, weil im Fitness wieder einmal schweisstreibendes Aerobic oder ein sonstiges Frauengruppendrucktraining im Gange ist. Da komm ich mir jeweils vor, wie wenn ich in einem Skilager wäre und zwischen Skifahren und Nachtessen die Stimmung mittels Musik gehalten wird.

Aktuelle Situation
Mittlerweile hat es jedoch geschneit und Fantoft scheint fast durch den Schnee ein Verhüllungsaktionskunstobjekt à la Christo und Jeanne-Claude geworden zu sein. Naja, das war nun vielleicht etwas übertrieben. Immerhin kann man nun die graue Masse wenigstens ansehen, heisst doch auch schon was.

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Get the Bergen Look

Es gibt einen Aspekt was der Otto-normal-Verbraucher-Tourist gar nicht mag (Aber dennoch nicht zu kaschieren vermag). Nämlich als solcher gleich erkannt zu werden. Damit dies in Bergen nicht passiert ein kleiner Kodex, um in cognito zu bleiben.

1.Norweger mögens sportlich. Jedoch ist manchmal mehr Schein als Sein. So ist die alte, ausgebeulte Couchpotatoe-Trainerhose vorzugsweise in grau wieder salonfähig.



2.Headband, eine Art Kappe ohne Deckel oder ein breites Stirnband.






3. Regenschirm


4.Grosse, XXL Perlenstecker für die Ohren des holden Geschlechts.


5.Jacken mit verschweissten Reissverschlüssen und Nähten von Bergans oder Normann in
Leuchtgrün, Hellblau, Schwarz, Pink, Rot.


6.Björn Borg Panties & Boxers oder karierte Trainerhosen ( Erinnern an die Pyjamahosen von
Bridget Jones).


7. Gummistifel, gilt sogar bei Sonnenschein nicht als faux pas.


8. Kopfhörer in 80ies Style oder klobige von Skullcandy.


9.Friis & Company Tasche, die mit dem R&B Krönchen drauf, oder auch eine grosse, schlabberige Ledertasche.


10.Halstuch getragen wie ein Cowboy, Männer besitzen eines à la Shawn White, Frauen wählen die HundM-Varinate von Hermès oder tragen auf dieselbe Weise einen Pashmina

Donnerstag, 13. September 2007

Prolog
Kaum zu glauben aber heute ist es wieder so weit: Die Wolken hängen wässrigschwarz über Fantoftisland. Der bewohnte, graue Gigant scheint an ihnen kratzen zu wollen.

Die Stimmung die sich damit ergibt, ist ein bisschen wie in einer kälterauchenden Tiefkühltruhe. Das verleiht mir gerade genug Anreiz, um am Blog weiter zu feilen.

Manchmal (an Tagen wie heute) bereitet sich dieses unbehagliche Gefühl in mir aus, wie wenn ich mich in so einer "trumanshowieschen Welt" befinde, wo das Wetter durch eine Sprinkleranlage reguliert wird. Die Person in der Regie muss es wirklich lieben den Petrus zu spielen.

Die Geschichte vom Eis und den Eskimos
Mein gestriges sowie erstes so richtiges Abendteuer erlebte ich am Hardanger Fjord. Wir sieben Schwaben (genau genommen waren es fünf plus eine Dänin und meine Röschtigrabenwenigkeit) unternahmen eine richtige Wandertour. Das Unterfangen musste aber bereits nach der verpassten Fähre umgestylt werden. So sollten schliesslich nicht die Klostertreppen von Berg Sowieso bestiegen werden, sondern die Eisberge im nördlichsten Norwegen. Irgendwo im Niemandsland sind wir Eskimos begegnet. Die fuhren einen wirklich schnittigen Schlitten. Mit Hunden. Ich wollte schon immer einmal einen tiefgelegten, gepimpten Schlitten mit einem Dutzend HS fahren. (Dagegen sieht jeder Fuchsschwanz am Schlüsselanhänger lächerlich aus)

Bevor ich euch Leser noch den grösseren Bären aufbinde, muss ich zugeben, dass die Nordnorwegengeschichte meiner Phantasie entsprang. In Wahrheit nahmen wir die Fähre nach Jondal, um zum Folgefonn Gletscher zu gelangen. Wettermässig kamen wir vom Regen in die Traufe oder in eine feuchtkalt prickelnde Nebelsuppe. Etwa 50 Seelen zählte das Gebiet an diesem Tag. Skifahrer, Eskimos und Besucher. Wir Touristen hegten zunächst keine Zweifel an der Echtheit der Eskimos. (Da waren wirklich Welche). Doch die rasante Schlittenfahrt der Inuits fand bereits nach zehn Metern ihr Ende. Ihre "Unbeholfenheit" liess uns Meisterdetektive natürlich gleich auf die Fährte bringen, dass sie nur Schauspieler für einen Werbespot waren.

Neuerdings weiss ich wie sich die Inder auf dem Titlis fühlen oder wie gut es sich mit Joggingschuhen auf Schnee fortbewegen lässt. Im Folgefonngebiet herrscht nämlich momentan immer noch ein kleines "ice age". Da reicht die Gletscherzunge bis zur Strasse. Und unmittelbar danach beginnt der Gletscherskilift. Der Skibetrieb ist zurzeit bloss auf ein paar Pommes-frites-Fahrer reduziert, ist aber entgegen den Behauptungen der lokalen Wintersportszene immer noch im Gange. In jenem Moment habe ich mich mit meinen Joggingschuhen noch nie wie zuvor so wenig schweizerisch gefühlt.

Die Kurzgeschichte vom Paradies
Die Eisblöcke unter meinen Füssen mussten aufgetaut werden. Sodann fuhren wir Wandervögel wieder an den Fjord runter. Dort besichtigten wir die Produktionsstätte des M-Budget Räucherzuchtlachs und füllten unsere Säcke randvoll mit fleischigen Pflaumen.

Es herrschten fast paradiesische Umstände. (Der Adam hat gefehlt...)


(…oder die "Schwiizerschoggi". Vor allem die schöne blaue Tafel mit dem Milchkrug. Weil die habe ich bis heute noch in keinem Laden gefunden. Nur die Schoggi in Form von gespreizten Frauenbeinen*. Aber die hegt auch keine heimatlichen Gefühle mehr, weil sie ihren Konzern wechselt, wie wir die Unterhosen.
Naturalienspenderkonto**: Fantoft Studentboligene, Fantoftveien 14, P.B. 1086, 5075 Bergen)

* Für alle, die noch an den Samichlaus glauben: Die Schoggi in der Form eines Berges.

** Kennwort für die Aktion: "Lindt Schokolade nach Norwegen"

Mittwoch, 29. August 2007

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste Stadt im ganzen Land? Klappe die Erste.




Norwegen.


Fischer, Meer, Berge, Strickware, Trolle, brauner Käse, Öl, sehr teures øl, Lillehammer, Wikinger, Königshaus.





Da bin ich nun. Inmitten all dieser Stichwörter. Aus geographischer Perspektive betrachtet, liegt für mich dieses Brainstorm in Bergen. Sagen wir mal in der schönsten Stadt von Norwegen. Nun, über Schönheit lässt sich bekanntlich ja streiten. Objektiv ist sie jedenfalls die zweitgrösste Stadt.





Bergen liegt an mehreren Fjorden umgeben von sieben Bergen. Das hört sich nicht nur märchenhaft an, sondern ist es auch. Bunte Holzhäuser, Kopfsteinpflaster sowie niedliche Gässchen verbreiten bare Behaglichkeit. Bergen wird nicht nur von Meer sondern auch von Wäldern und Bergen umrahmt, so dass sich ein ideales Gefüge zwischen Stadt und Natur ergibt.



Aufgrund dessen, das wir Austauschstudenten das Stadtbild verhunzen könnten, haben wir unsere eigene Unterkunft, die ein bisschen weiter weg vom Mainstream liegt, gekriegt. Klingt doch super. Unsere eigene kleine Farm, äh, sowjetisch angehauchte Hochburg.

Etwa 2000 Studenten ( Wobei das Wort "Studenten" relativ weit ausgelegt werden darf) wohnt hier auf wenigen Quadratmetern.



Nach der BlaBla-Einführung kann ich endlich etwas über die drei wesentlichen Punkte posten:



1. Det juridiske Fakultetet:

Also die Damen und Herren von Fribourg hätten sich ruhig auch ein Erasmussemester gönnen können, um etwas über eine ästhetisch und zweckmässig eingerichtete Fakultät zu lernen. Es braucht z.B. nicht zwingend ultraviolettes Licht auf den stillen Örtchen, um gutes Karma in die Stube zu bringen.



2. Regen:

Wem nun ein Licht aufgeht, dem wird gerade eingefallen sein, dass Bergen DIE regenreichste Stadt Europas ist. Das Wetter kann hier ziemlich schlüpfrig sein. Kaum fühlt man sich von der Sonne angelacht, türmen sich bereits nach 10 Minuten die Wolken zu düsteren Regenwolken. Wie vollegesaugte Schwämme legen sie sich dann aufeinander, nebeneinander, verknoten sich sogar ineinander und wringen sich dabei heftig gegenseitig aus.
Demzufolge gibt es hier kein Hausverlassen ohne Regenschirm.
Der Regen hier in Bergen ist ein bisschen wie der Wurm im Apfel oder der Haken an der Geschichte. Andererseits muss wegen ein paar Tropfen mehr noch nicht gerade der Teufel an die Wand gemalt werden. Immerhin soll Regen schön machen.



3. Vorspiel:

Vorspiel ist die bessere Hälfte eines norwegischen Abends. Dies wird nicht nur zu zweit prakiziert. Im Gegenteil. Je mehr umso besser. Da Norwegen ein Alkoholmonopol besitzt, ist dieser auch relativ teuer. Das Vorspiel ist somit ein kosteneinsparender Vorgang, welcher in einem sozialen Umfeld durchgeführt wird. Sprich, häusliches betrinken. Ehrlich gesagt, auch mit dieser Methode ist der Alkoholkonsum in Norwegen immernoch sehr teuer. "Welcome to Norway", sagen wir uns jeweils in solchen Situationen.

Die zweite Hälfte eines norwegischen Abends wird im "Klubb" verbracht. Hierzulange wird nicht mit dem "männlichem-Muskeln-zeigen" getrumpft, sondern mit dem Stand des Promillepegels.
Filmriss.