Kaum zu glauben aber heute ist es wieder so weit: Die Wolken hängen wässrigschwarz über Fantoftisland. Der bewohnte, graue Gigant scheint an ihnen kratzen zu wollen.
Die Stimmung die sich damit ergibt, ist ein bisschen wie in einer kälterauchenden Tiefkühltruhe. Das verleiht mir gerade genug Anreiz, um am Blog weiter zu feilen.
Manchmal (an Tagen wie heute) bereitet sich dieses unbehagliche Gefühl in mir aus, wie wenn ich mich in so einer "trumanshowieschen Welt" befinde, wo das Wetter durch eine Sprinkleranlage reguliert wird. Die Person in der Regie muss es wirklich lieben den Petrus zu spielen.
Die Geschichte vom Eis und den Eskimos
Mein gestriges sowie erstes so richtiges Abendteuer erlebte ich am Hardanger Fjord. Wir sieben Schwaben (genau genommen waren es fünf plus eine Dänin und meine Röschtigrabenwenigkeit) unternahmen eine richtige Wandertour. Das Unterfangen musste aber bereits nach der verpassten Fähre umgestylt werden. So sollten schliesslich nicht die Klostertreppen von Berg Sowieso bestiegen werden, sondern die Eisberge im nördlichsten Norwegen. Irgendwo im Niemandsland sind wir Eskimos begegnet. Die fuhren einen wirklich schnittigen Schlitten. Mit Hunden. Ich wollte schon immer einmal einen tiefgelegten, gepimpten Schlitten mit einem Dutzend HS fahren. (Dagegen sieht jeder Fuchsschwanz am Schlüsselanhänger lächerlich aus)

Bevor ich euch Leser noch den grösseren Bären aufbinde, muss ich zugeben, dass die Nordnorwegengeschichte meiner Phantasie entsprang. In Wahrheit nahmen wir die Fähre nach Jondal, um zum Folgefonn Gletscher zu gelangen. Wettermässig kamen wir vom Regen in die Traufe oder in eine feuchtkalt prickelnde Nebelsuppe. Etwa 50 Seelen zählte das Gebiet an diesem Tag. Skifahrer, Eskimos und Besucher. Wir Touristen hegten zunächst keine Zweifel an der Echtheit der Eskimos. (Da waren wirklich Welche). Doch die rasante Schlittenfahrt der Inuits fand bereits nach zehn Metern ihr Ende. Ihre "Unbeholfenheit" liess uns Meisterdetektive natürlich gleich auf die Fährte bringen, dass sie nur Schauspieler für einen Werbespot waren.
Neuerdings weiss ich wie sich die Inder auf dem Titlis fühlen oder wie gut es sich mit Joggingschuhen auf Schnee fortbewegen lässt. Im Folgefonngebiet herrscht nämlich momentan immer noch ein kleines "ice age". Da reicht die Gletscherzunge bis zur Strasse. Und unmittelbar danach beginnt der Gletscherskilift. Der Skibetrieb ist zurzeit bloss auf ein paar Pommes-frites-Fahrer reduziert, ist aber entgegen den Behauptungen der lokalen Wintersportszene immer noch im Gange. In jenem Moment habe ich mich mit meinen Joggingschuhen noch nie wie zuvor so wenig schweizerisch gefühlt.

Die Kurzgeschichte vom Paradies
Die Eisblöcke unter meinen Füssen mussten aufgetaut werden. Sodann fuhren wir Wandervögel wieder an den Fjord runter. Dort besichtigten wir die Produktionsstätte des M-Budget Räucherzuchtlachs und füllten unsere Säcke randvoll mit fleischigen Pflaumen.

Es herrschten fast paradiesische Umstände. (Der Adam hat gefehlt...)

(…oder die "Schwiizerschoggi". Vor allem die schöne blaue Tafel mit dem Milchkrug. Weil die habe ich bis heute noch in keinem Laden gefunden. Nur die Schoggi in Form von gespreizten Frauenbeinen*. Aber die hegt auch keine heimatlichen Gefühle mehr, weil sie ihren Konzern wechselt, wie wir die Unterhosen.
Naturalienspenderkonto**: Fantoft Studentboligene, Fantoftveien 14, P.B. 1086, 5075 Bergen)
* Für alle, die noch an den Samichlaus glauben: Die Schoggi in der Form eines Berges.
** Kennwort für die Aktion: "Lindt Schokolade nach Norwegen"
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